In meinen Augen gibt es nichts Kraftvolleres, um die Persönlichkeit zu entwickeln, als sich selbstständig zu machen. Die Selbstständigkeit konfrontiert dich mit jedem Aspekt von dir. Ganz besonders mit den Aspekten, die Zuwendung und Liebe brauchen. 

Vielleicht hast du dir am Anfang deiner selbstständigen Karriere gedacht: “Naja, ich muss ja nur ein paar Dienstleistungen oder Produkte kreieren und diese dann verkaufen.” Oder: “Ich habe die Ausbildung zur Craniosacral-Anwenderin, ich brauche nur einen Raum und eine Liege und schon kann ich Menschen behandeln.”Oder du bist Coach und hast dir gedacht: “Naja, ich habe die Coaching-Ausbildung. Und ja, ich habe Respekt vor dieser Arbeit, die ich tue, aber ich muss mich ja nur hinsetzen und mit Menschen sprechen.” 

Dann hast du begonnen. Und festgestellt, dass dein Business so viel mehr ist als die reine Tätigkeit an sich.

In deinem Business hast du mehrere Aufgaben zu erledigen. Die wichtigsten drei Positionen, die du als Einzelunternehmerin innehast, sehen wir uns heute genauer an.

Die Fachkraft

Ja, du darfst die Fachkraft sein. Unbedingt! Die Fachkraft ist das Herz deines Unternehmens. Es ist die Person, die coacht, die behandelt, die empowert, die den Raum hält, den Dialog ermöglicht - was immer dein Business ist. In den meisten Fällen verlangt diese Art der Tätigkeit irgendeine Form von Qualifikation - sei es durch eine äußere Ausbildung oder durch eine innere Schule. 

Diese Tätigkeit darf dein Herz zum Schlagen bringen. Im Ausführen dieser Tätigkeit sollst du dich lebendig und entspannt gleichermaßen fühlen. Denn dieses Tun bringt dich mit deinem wahren Sein zum Ausdruck. 

Die Fachkraft lebt in der Gegenwart. Genau das macht sie so leicht und lebendig.

(Um hier gleich etwas vorneweg zu nehmen: Selbst dieser Bereich will von Zeit zu Zeit adaptiert werden. Es ist absolut natürlich und erlaubt, dass dich das, was dich vor einigen Jahren noch glücklich gemacht hat, heute womöglich nicht mehr auf dieselbe Art und Weise erfüllt wie damals. Dann darfst du upgraden oder downgraden - genau so, wie es dein Innerstes, dein Kern, dein cor von dir verlangt. Wenn du mehr darüber lesen möchtest, dann findest du womöglich diesen Artikel hilfreich: “Mühelose Positionierung von innen nach außen”.)

Die Fachkraft in einem Business erfüllt ihre Herzensmission. Du lebst dein natürliches Dasein. Und auch wenn sich dieser Zustand natürlich und leicht anfühlt, kann er dich herausfordern. Dein Business kann dich in deiner Essenz triggern. 

Du wirst zum Beispiel mit Menschen konfrontiert sein. Mit Menschen, ihren Bedürfnissen, ihrer Bedürftigkeit, ihren Widerständen, ihren Ängsten, ihren Unsicherheiten. In dem Moment, in dem du selbstständig und eigentlich frei bist, bist du gleichzeitig auch in Beziehung. In den unterschiedlichsten Beziehungen mit den unterschiedlichsten Menschen, den unterschiedlichsten Konditionierungen und Prägungen, den unterschiedlichsten Projektionen. Da ist es ganz normal, dass du getriggert wirst. Nicht jeder wird verstehen, was du tust, wofür du brennst und warum es wertvoll ist.

Doch das ist nur der Kern deines Unternehmens. Das triggert “nur” die Fachkraft. Als Businessinhaberin bist du aber auch noch Managerin.

Die Managerin

Die Managerin ist die Bewahrerin des Status quo. Sie sorgt dafür, dass du deinen Kram beisammenhältst. Sie führt den Kalender und die Korrespondenz, schickt Terminerinnerungen aus und Rechnungen, und manchmal auch Zahlungserinnerungen. Sie macht die Buchhaltung und führt Steuern ab. Sie prüft Versicherungen und sorgt für die Einhaltung von Gesetzen. Dafür brauchst du Systeme, Tools und Technik. 

Du brauchst den Überblick über die Vergangenheit, damit du Ableitungen und nächste Schritte einleiten kannst. Du brauchst Planung und Wege, wie du deine Termine koordinierst und wie dein Geld physisch fließt. Du brauchst Zeit, um deinen sichtbaren Auftritt zu gestalten, deine Website funktionsfähig und rechtskonform zu halten.

Die Managerin lebt tendenziell in der Vergangenheit und hat den stärksten Yang-Aspekt.

All das wird neue Widerstände in dir hervorrufen. Du wirst dich von anderen Themen triggern lassen. Da ist die Angst vor Sichtbarkeit, die Angst, missverstanden zu werden, die Angst beurteilt zu werden, die Angst, anhand eines einzigen Fotos verurteilt zu werden oder nicht gewählt zu werden. Vielleicht werden People-Pleasing-Anteile von dir auftauchen. Vielleicht wirst du Menschen zwingen wollen, sich deinen Regeln zu unterwerfen, wenn sie mit dir arbeiten wollen. Vielleicht wirst du ganz hart oder ganz weich werden. Keine Grenzen setzen, zu viele Grenzen setzen. Vielleicht hast du Angst, einen Preis zu fordern, deine Summe, dein Honorar zu nennen, mehr zu verlangen, wenn es tatsächlich mehr kostet, weil du dich nicht sicher fühlst, nicht glaubst, dass du es wert bist, nicht glaubst, dass du liebenswert bist, wenn du Stopp sagst und für dich einstehst. 

All das wird die Managerin in dir triggern und die Managerin ist auch nur ein Mensch. Doch damit nicht genug. Als Selbstständige folgst du einer Sehnsucht. Und das ruft die Visionärin auf den Plan.

Die Visionärin

Du hast eine Vision und du wirst immer wieder herausgefordert werden, für diese Vision einzutreten, unbequeme Entscheidungen zu treffen, Veränderungen zu initiieren. Veränderungen, mit denen du selbst unsicher bist, Veränderungen, die vielleicht in deinem familiären Umfeld auf Irritation stoßen oder gar auf Ablehnung bei deinen bestehenden Kunden und Kundinnen. Vielleicht wird das Business, das du dir aufgebaut hast, dich irgendwann nicht mehr fordern, dich nicht mehr freuen. Obwohl du es so sehr liebst, bist du ihm entwachsen. Und während es auf der einen Seite funktioniert, macht es dich auf der anderen Seite nicht mehr glücklich. Dann ist die Visionärin in dir getriggert, gefordert, sich selbst noch mal zu hinterfragen mit: “Was will ich? Wie sehr will ich es wirklich? Und was bin ich bereit, dafür zu tun? 

Die Visionärin lässt sich inspirieren. Und sie inspiriert. Als solches liegt es in ihrer Natur ruhelos zu sein und stets nach etwas Neuem Ausschau zu halten.

Die Visionärin lebt in der Zukunft und träumt von Möglichkeiten.

Von Möglichkeiten, die sie triggern werden. Weil sie zu groß sein könnten, zu idealistisch, zu realitätsfern, zu anders. Die Visionärin wird sich selbst triggern, durch den bewahrenden Anteil in sich. Aber auch durch andere Menschen in ihrem Umfeld, die ihr Leben mehr an der Vergangenheit denn an der Gegenwart oder Zukunft ausrichten. 

Die Visionärin ist ein Freigeist und sie kollidiert sowohl mit der Fachkraft als auch mit der Managerin.

Dein Glücklichsein fordert dich aber auf, dich mit den Sehnsüchten der Visionärin auseinanderzusetzen. Immer wieder. Damit die Fachkraft in der Gegenwart ihres Tuns sein kann.

Dein Wachstumsbeschleuniger

Du siehst: Nichts bringt dich in ein stärkeres persönliches Wachstum als Unternehmertum. Und was meiner Meinung nach bei all diesen Aspekten der wichtigste und am öftesten unterschätzte ist und der Grund, warum so viele in ihrer Selbstständigkeit scheitern, ist der Punkt der Verantwortung. 

Als Selbstständige, als erfolgreiche Selbstständige, übernimmst du rigoros Verantwortung für alles, was in deinem Business geschieht. Selbst dann, wenn es nicht in deiner Hand liegt. Du entscheidest dich, dein Unternehmen in Österreich zu gründen oder das Unternehmen in Amerika anzumelden. Du übernimmst die Verantwortung, du trägst die Konsequenzen für diese Entscheidung. 

Du entscheidest dich, einen bestimmten Honorarsatz zu verlangen, deine Preise zu erhöhen und damit bestimmte Menschen zu vergraulen oder andere anzuziehen. 

Du darfst die Verantwortung dafür übernehmen, wenn deine Webseite nicht erreichbar ist, weil es ein Problem im Hintergrund gibt. Es ist deine Verantwortung, dich darum zu kümmern. 

Du entscheidest dich, in welchem Land du die Steuern bezahlst, in welchem Land du dich versichern lässt und unterwirfst dich damit diesen Regeln, ohne dass du dich von diesen Regeln dominieren lässt und dich zum Opfer dieser Regeln machst. Neue Gesetze kommen immer wieder. Und jede neue Gesetzesänderung bringt Konsequenzen. Und du übernimmst die Verantwortung dafür. Jedes einzelne Mal. 

Du übernimmst die Verantwortung für unzufriedene Klientinnen, indem du dich klärst, hinsiehst und sagst: “Okay, wo ist der Fehler auf meiner Seite? Was muss ich beim nächsten Mal besser machen, anders machen?” Dabei geht es nicht immer darum, Menschen glücklich oder zufrieden zu machen, sondern die Verantwortung für dein Erleben in diesem Moment zu übernehmen und deine Wahrheit zu sprechen, wenn es angebracht ist. Auch auf die Gefahr hin, dass es dann noch mehr Wirbel oder noch mehr Drama gibt. Dass es unbequem wird. Dass es noch mehr Themen gibt, die zu klären sind. Und dass es noch mehr zu betrauern in dir gibt, noch mehr zu verarbeiten, weil du dich um deinen Schmerz kümmerst. 

Und gleichzeitig erkennst du, was passiert, wenn du die Verantwortung für dein Erleben übernimmst und deine Wahrheit sprichst.

Als Selbstständige hast du viele einander widersprechende Aufgaben zu erfüllen. Oftmals wird es dich innerlich zerreißen, weil die Fachkraft etwas anderes benötigt als die Managerin und beide nicht sehen, wohin die Visionärin sie führt. 

Dein Business triggert dich. Doch wenn du Verantwortung für all das übernimmst, was in deinem Business passiert, Grenzen ziehst, wo sie angebracht sind und auch für das Stecken deiner Grenzen die Verantwortung übernimmst, dann wird dich dein Business mit Erfüllung belohnen. Und auch mit dem Erfolg, der deiner Liebe zu dir entspricht.

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Echt sein. Ganz leben.

Corinna Maria Pfitzer  -  Seherin • Guide • Autorin

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